Besuch aus dem Bundestag

Besuch aus dem Bundestag

Am diesjährigen Europatag (18.8.26) besuchte Bundestagsabgeordneter Johannes Volkmann (CDU), der vor 12 Jahren sein Abitur am LLG absolviert hat, die Schülerinnen und Schüler der Q-Phasen. In der voll besetzten neuen Bibliothek begrüßte Schulleiterin Anette Pfannmüller den besonderen Gast herzlich und betonte, dass ein vereintes Europa nicht möglich sei ohne Menschen, die sich für diese Gemeinschaft einsetzten - und zu denen auch der Gast dieses Tages

gehöre.

Volkmann ist eines der jüngsten Mitglieder des Bundestages und gewählter Abgeordneter für den Lahn Dill Kreis. Nach einer kurzen Vorstellung seines beruflichen und politischen Werdegangs erläuterte er die seiner Meinung nach großen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart, zu welchen z.B. der Ukraine-Krieg, die veränderten transatlantischen Beziehungen oder der Verlust von Industriearbeitsplätzen in Deutschland gehörten. In der darauffolgenden Diskussion zeigten sich die Oberstufenkurse bestens informiert über aktuelle politische Vorgänge und stellten viele Fragen, die durchaus auch kontrovers diskutiert wurden. Dazu gehörten Fragen zur Rechtfertigung der Rüstungsausgaben, zur Reform des Gesundheitswesens und vieles mehr. Hierbei wies Volkmann auf die Notwendigkeit hin, innerhalb einer Koalition auf starre Imperative zu verzichten und Kompromisslösungen auszuhandeln, auch wenn diese mitunter nicht die vollständige eigene Überzeugung widerspiegelten.

(Text: Carola Hagmann)

 

Und auch im Gießener Anzeiger ist ein Artikel über den Besuch des Bundestagsabgeordneten erschienen:

 

CDU-Abgeordneter Volkmann am LLG: „Sonst bleibt nur der Faustdialog"

 

Johannes Volkmann (rechts) besucht seine alte Schule © Leyla Amirsadri

 

Der Bundestagsabgeordnete Johannes Volkmann hat seine ehemalige Schule besucht. Die Oberstufenschüler konfrontierten ihn mit kritischen Fragen zu China, zur Schuldenbremse und zu Waffenlieferungen an Israel.

Gießen – Die Möglichkeit zum politischen Austausch mit einem Bundestagsabgeordneten, der selbst Schüler der eigenen Schule war, hat sich einigen Schülerinnen und Schülern der Q-Phase des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums (LLG) geboten. Zu Gast war Johannes Volkmann von der CDU, der 2014 am LLG sein Abitur ablegte. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der offene Austausch über aktuelle politische Fragen und kontroverse gesellschaftliche Themen. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich im Vorfeld zahlreiche, überwiegend kritische Fragen überlegt, mit denen sie den Abgeordneten im Laufe des Vormittags konfrontierten. Dabei entwickelte sich schnell eine lebhafte Diskussion, bei der unter anderem die Themen China, die Schuldenbremse und der Nahostkonflikt im Fokus standen.

 

Friedliches Zusammenleben

Volkmann berichtete über seine Arbeit im Auswärtigen Ausschuss, unter anderem im Bereich der Rüstungskontrolle, sowie im Entwicklungsausschuss. Immer wieder betonte er dabei die Bedeutung des politischen Dialogs. Ein friedlicher Diskurs sei eine zentrale Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben. „Es ist wichtig, im Gespräch miteinander zu ringen. Sonst bleibt nur der Faustdialog.“

Danach waren die Schülerinnen und Schüler an der Reihe. Eine erste Frage beschäftigte sich mit den wirtschaftlichen Abhängigkeiten Deutschlands von China und damit, welche dieser Abhängigkeiten in den kommenden fünf Jahren reduziert werden müssten. Volkmann bezeichnete sich grundsätzlich als Befürworter des freien Handels. Gleichzeitig kritisierte er jedoch die Wettbewerbsbedingungen mit China. Produkte aus China würden aufgrund einer von ihm angeführten Wechselkursmanipulation teilweise bis zu 30 Prozent günstiger angeboten, wodurch ein unfairer Wettbewerb entstehe. Als mögliche Reaktion nannte Volkmann Ausgleichszölle. Auch die Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen seltener Erden müsse Deutschland reduzieren. Sollte China den Export dieser Rohstoffe als Reaktion auf wirtschaftspolitische Maßnahmen einschränken, müsse Deutschland alternative Bezugsquellen erschließen. Der Abgeordnete verwies dabei auf Rohstofffonds und Investitionen in Staaten wie Indonesien oder Malaysia, um dort langfristig neue Lieferketten aufzubauen.

 

Kritik an der Schuldenbremse

Auch die deutsche Finanzpolitik wurde kontrovers diskutiert. Eine Schülerin fragte, weshalb Deutschland weiterhin an der Schuldenbremse festhalte, obwohl gleichzeitig im sozialen Bereich gespart und die Ukraine finanziell unterstützt werde. Volkmann widersprach zunächst der Vorstellung, dass die Probleme im sozialen Bereich hauptsächlich auf einen Sparkurs zurückzuführen seien. Vielmehr fehle es auf kommunaler Ebene an Personal, das für die Verwaltung und Umsetzung der vorhandenen finanziellen Mittel zuständig sei. Die finanzielle Unterstützung der Ukraine verteidigte Volkmann als sinnvolle Investition. Dadurch könne verhindert werden, dass Deutschland langfristig einem größeren Verteidigungsdruck durch Russland ausgesetzt werde. Auch einen möglichen Anstieg ukrainischer Migration nach Deutschland könne eine erfolgreiche Unterstützung der Ukraine begrenzen. Gleichzeitig übte Volkmann selbst Kritik an der Schuldenbremse. Für notwendige Investitionen müsse es seiner Ansicht nach möglich sein, Schulden aufzunehmen.

Besonders intensiv wurde über den Nahostkonflikt diskutiert. Eine Schülerin wollte wissen, weshalb Deutschland weiterhin Bauteile für Kampfpanzer an Israel liefert. Volkmann verwies zunächst auf die historische Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel. Darüber hinaus betonte er die sicherheitspolitischen Vorteile einer Zusammenarbeit. Israel liefere beispielsweise Luftabwehrsysteme an Deutschland, wodurch eine gegenseitige Sicherheitskooperation entstehe. Die Einstufung des Vorgehens der israelischen Armee im Gazastreifen als Genozid lehnte Volkmann ab. „Nicht jedes zivile Opfer ist ein Völkermord“, erklärte er. Gleichzeitig distanzierte er sich von rechtsextremen Kräften innerhalb der israelischen Regierung und sprach sich dafür aus, Personen wie den israelischen Polizeiminister Itamar Ben-Gvir zu sanktionieren.

Im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt warnte der CDU-Politiker außerdem vor einem zu undifferenzierten Blick auf politische Ereignisse. Insbesondere soziale Medien würden häufig vereinfachte Darstellungen komplexer Konflikte verbreiten.

Text und Bild: Gießener Anzeiger vom 23.08.2026