Landgraf-Ludwigs-Gymnasium Gießen übergibt „Rambach’sche“ und „Alte Bibliothek“ an die Universitätsbibliothek der Universität Gießen
Die Universitätsbibliothek der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) freut sich über eine nicht alltägliche Ergänzung ihrer historischen Sammlungen. Mehrere tausend, teils seltene historische Ausgaben mit einem pädagogischen Schwerpunkt hat das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium (LLG) Gießen im Mai 2026 in die Obhut der UB übergeben. Es ist der größte Zugang historischer Bände für die UB seit vielen Jahren. Die Bände finden einen neuen Platz im gesicherten Magazinbereich der Universitätsbibliothek. Mitglieder der Schule sowie Interessierte aus anderen Schulen und der Allgemeinheit werden herausragende Bände in Zukunft als Digitalisate nutzen können.
Prof. Dr. Karsten Krüger, JLU-Vizepräsident für Wissenschaftliche Infrastruktur, freut sich über die mit der Übergabe verbundene Kooperation: „So können beide Einrichtungen an ihre gemeinsame Geschichte anknüpfen. Sie sorgen zugleich dafür, dass historisches Wissen für die Zukunft gesichert und einer breiten Öffentlichkeit verfügbar gemacht wird.“
Die Verbindungen sind traditionell eng und historisch gewachsen: Das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium wurde im Jahr 1605 als „Gymnasium illustre“ mit Pädagogium gegründet und stellt die Vorläuferinstitution dar, aus der 1607 die Universität Gießen hervorgegangen ist. Viele Jahre lang war ein Professor der Universität als „Pädagogiarch“ zugleich Leiter des Gymnasiums. Beide Einrichtungen verdanken ihre Entstehung Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt (1577–1626), dessen Name auch die Universität Gießen viele Jahre lang als „Academia Ludoviciana“ („Ludwigs-Universität“) getragen hat.
Die historische Schulbibliothek setzt sich aus zwei Teilsammlungen zusammen. Während die Universitätsbibliothek bereits 1612 entstanden ist, legte Jacob Theodor Franz Rambach (1733–1808) in den Jahren 1772 bis 1775 die Grundlage der nach ihm benannten „Rambach’schen Bibliothek“ des Pädagogiums. Jacob Theodor war selbst Schüler des Pädagogiums und nach seinem Theologiestudium dort Lehrer, schließlich stieg Rambach zum „ersten Lehrer“ auf. Die Bibliothek begründete er durch Landesmittel und persönliche Spenden, um den Lehrern den Zugang zu pädagogischen Werken und den Schülern zu deutscher Literatur zu ermöglichen. Im Jahr 1775 wechselte er ans Frankfurter Gymnasium.
Die Buchbestände in Gießen wuchsen jedoch weiter. Von den erhaltenen etwa 460 Bänden der Sammlung stammen acht aus dem 16. Jahrhundert, 17 aus dem 17. Jahrhundert und die meisten aus dem 18. Jahrhundert. Ab 1876 wurde die Schulbibliothek zum Zwecke der Ausbildung von Lehrkräften erweitert, da am LLG eines der ersten Studienseminare Deutschlands eingerichtet wurde. Dies ist der Grundstock für die sogenannte „Alte Bibliothek“ mit Werken zur Methodik und Didaktik der Schulfächer sowie anderer relevanter Sachgebiete.
Annette Pfannmüller, Schulleiterin des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums, betont: „Dem LLG ist sehr daran gelegen, dass die Bibliothek in der erforderlichen wissenschaftlichen Form erschlossen und zugänglich gemacht werden kann, die der Bedeutung der Bibliothek als historischem Schulbibliotheksensemble angemessen wäre.“
Vorgesehen ist zunächst, die Bücher der „Rambach’schen Bibliothek“ im Online-Katalog nachzuweisen und die bedeutendsten Bände zu digitalisieren, erläutert die Leiterin der UB Gießen, Dr. Jana Madlen Schütte, die der Schulleitung und Schulgemeinde des LLG herzlich dankt: „Wir freuen uns sehr über die Initiative der Schule und das Vertrauen, die historischen Bände an uns als Schwestereinrichtung zu übergeben.“
Über die „Digitalen Gießener Sammlungen“ (DIGISAM) werden diese dann frei als virtuelle Schulbibliothek verfügbar sein, auch für den zeitgemäßen und bestandsschonenden Gebrauch im Unterricht des LLG.
Weitere Informationen: https://www.uni-giessen.de/ub/de
Alle Fotos: Barbara Zimmermann / Universitätsbibliothek Gießen
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Kontakt |
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Annette Pfannmüller, OstD |
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Schulleiterin des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums Reichenberger Straße 3 E-Mail: |
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Dr. Olaf Schneider Leiter der Sondersammlungen Universitätsbibliothek der Justus-Liebig-Universität Gießen Otto-Behaghel-Straße 8 35394 Gießen E-Mail:
Dr. Jana Madlen Schütte, Ltd. Bibliotheksdirektorin Universitätsbibliothek der Justus-Liebig-Universität Gießen Otto-Behaghel-Straße 8 35394 Gießen E-Mail: |
Die 1607 gegründete Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) zieht mit ihrem vielfältigen Lehrangebot rund 25.000 Studierende in die junge Stadt an der Lahn. Die Universität bietet ihren Forschenden ideale Bedingungen für die interdisziplinäre Zusammenarbeit – insbesondere mit ihrem deutschlandweit einzigartigen Fächerspektrum in den Lebenswissenschaften: Human- und Veterinärmedizin sowie Agrar-, Umwelt-, Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften. Damit ist die JLU ein führender Standort für die „One Health"-Forschung, die sich an der Schnittstelle von Gesundheit, Umwelt und Ernährung den globalen Herausforderungen widmet. Gleich drei Exzellenzcluster in der Wahrnehmungs-, Herz-Lungen- und Batterieforschung machen die JLU zu einer der erfolgreichsten Universitäten in der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern. Darüber hinaus trägt die Universität aktiv Verantwortung für die Gesellschaft: Ein gutes Drittel ihrer Studierenden strebt ein Staatsexamen an – die JLU bildet damit die Lehrkräfte, Richterinnen und Richter, Ärztinnen und Ärzte sowie Veterinärmedizinerinnen und -mediziner der Zukunft aus.
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