Kann eine Theatergruppe größeren Erfolg haben, als die Zuschauer zu berühren? Sie nachdenklich und vielleicht auch ein Stück weit aus dem Gleichgewicht gebracht aus ihrem Spiel zu entlassen?
Dies ist der Theatergruppe des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums um Lehrer und Regisseur Rolf Bernhard mit dem Stück „Bericht über Hattington“ am vergangenen Freitag in der Premiere gelungen. In der gut gefüllten Aula des LLG meinten die Zuschauer ein Spiel um ein Kurzgeschichte von Walter Jens aus den 60iger Jahren zu sehen. Die Geschichte eines entflohenen Schwerverbrechers und die Geschichte der kleinen Stadt Knox, die jetzt in Angst lebt, weil sie den Verbrecher damals verriet, ihm keinen Schutz bot und irgendwie hatte sich damals jeder schuldig gemacht, nicht juristisch, aber moralisch. So weit die Erwartungen.
Was sie tatsächlich sahen, war von beklemmender Aktualität: die Darstellung einer unbestimmten Bedrohung, wachsendes Misstrauen, die Suche nach Sündenböcken. Schließlich der Verlust von Vertrauen in die staatlichen Institutionen, die Abkehr vom Rechtsstaat, der Weg zur Selbstjustiz. Und jeder im Publikum ahnte, statt Knox könnte hier auch Chemnitz stehen, Klöthen, Freiberg ...



